Dragoner Höfe
Transformation des Dragonerareals in Berlin-Kreuzberg
Das Dragonerareal im Berliner Ortsteil Kreuzberg befindet sich am Mehringdamm und setzt sich aus der ehemaligen Dragonerkaserne sowie den dahinterliegenden Kasernengebäuden zusammen. Heute ist das denkmalgeschützte Areal durchmischt genutzt – es beherbergt Handwerks- und Dienstleistungsbetriebe, Einzel- und Großhandel, Kfz-Werkstätten, eine Taxischule, kulturelle Nutzungen sowie diverse Lagerflächen. Rund die Hälfte des etwa fünf Hektar großen Grundstücks bleibt derzeit ungenutzt.
Im Entwurf wurde der Gebäudebestand auf die wesentlichen, denkmalgeschützten Strukturen reduziert. Eine Seite der charakteristischen U-förmigen Stallgebäude wurde abgetragen und durch neue Wohnriegel ersetzt. Die Haupterschließung des Areals erfolgt weiterhin über den Mehringdamm. Von dort aus führt ein zentral platzierter Querriegel direkt auf den ehemaligen Exerzierplatz. Weitere Zugänge entstehen über die Hinterhöfe der angrenzenden Nachbarbebauung.
Bestandsgebäude
Die gezielte Setzung der Neubauten und deren unterschiedliche Abstände erzeugen vielfältige räumliche Sequenzen. Vom Exerzierplatz ausgehend lässt sich das Gelände weiter erschließen: Fünf Meter breite Durchgänge führen zu halböffentlichen Höfen, die sich wiederum in kleinere, intimere Innenräume auffächern.
Die Raumabfolgen werden durch Brücken und Gebäudekörper räumlich definiert. Ein Versatz in der Brandwand lässt die Höfe stärker ineinander übergehen und verhindert eine harte räumliche Trennung.
Die Brücken zwischen den Baukörpern bilden das Rückgrat der Erschließung und setzen sich im Inneren in Form von geschlossenen Fluren oder halb offenen Laubengängen fort. Über diese Brücken ist nahezu das gesamte Areal erschlossen – sie sind größtenteils den Bewohner:innen vorbehalten.
Einzelne Brücken führen direkt in den erhaltenen Bestandsbau südlich des Exerzierplatzes, der eingeschossig ist. Die darin untergebrachten Cafés, Galerien und Restaurants verfügen über Zugänge zum Dach, sodass auch die erste Etage öffentlich zugänglich und erlebbar wird.
Die Fassadengestaltung nimmt Bezug auf den Bestand: Das Erdgeschoss der Neubauten orientiert sich gestalterisch an den niedrigen Bestandsgebäuden mit massiven Ziegelsteinfassaden. Ziel war es, ein harmonisches Zusammenspiel zwischen Alt und Neu zu schaffen und eine robuste, gewerblich nutzbare Sockelzone mit großzügigen Fensterflächen zu realisieren.
Der darüberliegende Wohnbereich soll hingegen leichter, fast schwebend erscheinen: Das Erdgeschoss ist leicht zurückversetzt, und die darüberliegende, tragende Fassade der Obergeschosse ruht auf Stützen.
Die Materialtrennung – Ziegelfassade im Sockelbereich, Holzverkleidung in den Wohngeschossen – betont diese Gliederung. Unterschiedlich große Fensteröffnungen lassen Rückschlüsse auf die dahinterliegenden Raumfunktionen zu. Der aussteifende Erschließungskern, die außenliegende Fassade und die zentralen Versorgungsschächte ermöglichen flexible Grundrisslösungen, die auch langfristig anpassbar bleiben.
Durch die gewählte Raumstruktur mit dem Exerzierplatz als zentralem Mittelpunkt und zunehmender Privatheit in den angrenzenden Höfen entsteht eine differenzierte städtebauliche Struktur. Die neu angeordneten Höfe nehmen dabei Bezug auf die vorhandenen Strukturen der Umgebung: Während sich die südlichen Neubauten an größeren Nachbarhöfen orientieren, spiegeln die nördlichen Gebäude kleinteiligere Hofsituationen wider.
Die Brandwände der neuen Gebäude reagieren flexibel auf die jeweilige räumliche Situation – sowohl innerhalb als auch außerhalb des Areals – und erzeugen so ein Bild des Unfertigen, Wachstumsfähigen. Diese Wände lassen sich künstlerisch bespielen, z. B. durch Wandmalereien der Anwohner:innen, und tragen so zu einer identitätsstiftenden Gestaltung bei.
Das Projekt ist nicht als abgeschlossene Komposition gedacht, sondern als inkrementeller Urbanismus – ein Ansatz, der Erweiterbarkeit zulässt. Perspektivisch bietet das angrenzende Blockinnere südwestlich des Dragonerareals weiteres Potenzial für Bebauung und Verdichtung.
projektbezogenen Leistungen
Projektentwicklung
Bebauungspläne & Baurecht
Neubauplanung
Wir gestalten innovative Neubauten, die Funktionalität und Ästhetik vereinen.
Sanierung & Modernisierung
Unsere Sanierungen revitalisieren Bestandsgebäude und erhöhen deren Wert.











